Psychisch krank durch bestimmte Bakterien im Darm

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Weit verbreitet, mittlerweile nicht mehr nur in der westlichen Welt, sind Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Darmkrebs und diverse Allergien. Sie alle sollen Ergebnis einer Dysbalance der Darmflora sein, und nicht nur sie: Reizdarm, auch Nierensteine, und außerdem Depressionen, sogar Autismus stehen in Verdacht, durch ein gestörtes Verhältnis der Darmbakterien verursacht zu werden.

Im Organismus tummelt sich ein ganzes Arsenal von Bakterien mit unterschiedlichen Funktionen, und der menschliche Darm beherbergt mehr Mikroben, als Körperzellen vorhanden sind. Das Mikrobiom – die Gesamtheit der Bakterien – des Darms unterstützen aber nicht nur die Verdauung, sie kooperieren auch mit unserem Immunsystem und bekämpfen Krankheitserreger. Nun wurden von belgischen Forschern Hinweise gefunden, dass bei psychischen Problemen auch eine Auffälligkeit der Darmflora zu beobachten ist [1].

Fortschritte durch Sequenzierung der DNA

Bekannte Nebenwirkung einer Verordnung von Antibiotika ist eine bisweilen heftige Diarrhö. Ursache ist eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora, denn die Medikamente bekämpfen nicht nur die Bakterien, die eine Infektion verursachen, sondern auch andere Bakterien im Darm.

Bisher ist die Funktion und Kooperation der diversen Darmbakterien nicht grundsätzlich verstanden. Die Sequenzierung der DNA der Bakterien verspricht nun Hoffnung, dass die Wissenschaft hier einen Schritt nach vorne gehen kann. Bekannterweise werden für die Bestimmung und Analyse von Bakterien traditionell Kulturen angelegt. Die entnommenen Bakterien züchtet man auf Nährböden, ein aufwendiges und zeitraubendes Verfahren; erst nach mehreren Tagen liegen die Ergebnisse vor, und nicht alle Bakterienarten können auf diese Weise bestimmt werden. Alle diese Schwierigkeiten entfallen bei der DNA-Sequenzierung. Sämtliche Bakterien können nun erfasst werden, und die Ergebnisse sind in wenigen Stunden verfügbar. Zusammenhänge zwischen dem Status des Mikrobioms und verschiedenen Krankheiten können nun leichter erfasst werden, und auch psychische Krankheiten wie etwa Depressionen können nun einfacher und genauer mit der Darmbalance in Verbindung gebracht werden.

Darmbakterien und psychische Erkrankungen

In zwei medizinischen Studien wurden die vermuteten Zusammenhänge nun bestätigt. Ein Forscherteam um Jeroen Raes an der Universität in Leuven analysierte Biome von 1000 Probanden, bei denen eine Depression diagnostiziert war, und fand tatsächlich Veränderungen in der Darmflora. Die Stuhlproben der teilnehmenden Patienten enthielten eine weitaus geringere Anzahl von Bakterien der Gattungen Dialister und Coprococcus.

Allerdings warnen die Forscher vor Euphorie, denn mit den Ergebnissen ist bisher lediglich eine Korrelation hergestellt, kausale Zusammenhänge konnten aber noch nicht hergestellt werden. Auch konnte nicht gezeigt werden, ob der Mangel an diesen Bakterien Ursache der Depression ist oder deren Folge. Sicher ist nur, dass eine Statusänderung des Bioms auftreten kann ohne vorherige Gabe von Antidepressiva. Möglich bleibt als Ursache weiterhin eine Umstellung der Ernährung.

Eine weitere Studie entnahm einer Gruppe von 63 Schizophrenie-Patienten Stuhlproben und transplantierte diese in Mäuse mit gesunder Darmflora. Anschließend wurden im Hirnstoffwechsel der Tiere Veränderungen festgestellt, die mit Schizophrenie assoziiert sind. Schwierig ist hier aber, eine psychische Krankheit zu diagnostizieren, auffällig waren allerdings eine höhere Aktivität der Mäuse und geminderte Ängstlichkeit.

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