Mehr Bakterien braucht der Darm!

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Fakt ist, der menschliche Körper hat mehr Bakterien als Zellen. Als Mikrobiom wird ihre Gesamtheit bezeichnet. Dieses beeinflusst das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Gemüt. Durch den Lebensstil, und auch durch die Einnahme von zahlreichen Medikamenten, verarmt die Bakterienzusammensetzung im Mikrobiom.

Die Mikrobiomforschung untersucht unter anderem die Bakteriengemeinschaft im Darm. Darin erfüllen unterschiedliche Mikrobenarten verschiedene Aufgaben. Beispielsweise zählen dazu die Produktion des Hormons Serotonin und die Verdauung. Durch die Einnahme von Antibiotika wird das Mikrobiom zum Beispiel geschädigt. Alle Bakterien, sowohl die nützlichen als auch die krankmachenden, werden durch das Medikament angegriffen. Ein Angriff kann sich durch Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit äußern. Das Mikrobiom verliert kurzfristig seine Helfer für diverse Funktionen. Dadurch verändert die sich Verdauung und kommt teilweise auch zum Stillstand.

Nicht nur Antibiotika, auch andere Medikamente haben eine ähnliche Wirkung, die einen negativen Effekt auf das Mikrobiom haben. Außerdem fördern viele davon auch eine Antibiotikaresistenz. Diese Wirkstoffe sind in manchen Antipsychotika bzw. Antidepressiva oder in Protonenpumpenhemmer vorhanden. Viele Bakterienarten sind der Menschheit noch nicht bekannt. Deshalb ist auch das Zusammenspiel von Medikamenten und dem Darmmikrobiom noch nicht ausreichend erforscht. Die Aufschlüsselung von allen Bakterien zählt zu einer Herausforderung in der Forschung. Zudem ist auch eine Definition eines idealen Mikrobioms noch nicht gegeben.

Interessant ist, dass jeder Mensch ein anderes Mikrobiom hat. Die tausenden unterschiedlichen Bakterien sind somit ein mikrobieller Fingerabdruck. Die Zusammensetzung kann keinen Aufschluss über Krankheit oder Gesundheit geben. Wenn die Bakterien dieses Fingerabdruckes immer weniger werden, geht diese Verarmung auch auf die nächste Generation über. Das Aufnehmen neuer Bakterien aus der Umwelt gelingt den Nachfahren nicht mehr. Durch den Bakterienschwund können Krankheiten wie Diabetes, Allergien, Übergewicht und Asthma ausgelöst werden. Ebenso steigt die Anzahl von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Reizdarm oder Darmkrebs, die ihre Entstehungsursache in dem Bakterienschwund haben können.

Ziel der Forschung ist es, nützliche Bakterien zu identifizieren, damit man diese als Medikament in Zukunft nutzen kann. Die Fäkaltransplantation, oder auch Stuhltransplantation, wird in den USA bereits jetzt schon standardisiert eingesetzt. Freiwillige gesunde Personen spenden einer Stuhlbank ihren Stuhl. Vergleichbar ist dies mit einer Organbank. Erreger nutzen während der Antibiotikabehandlung die Zeit von ein bis drei Monaten bis sich das Mikrobiom wieder erholt. In dieser Zeit kommt es folglich häufig zu Durchfall und Darmentzündungen. Antibiotika werden oftmals bei derartigen Infektionen erneut verschrieben und somit beginnt ein Teufelskreis. Hierbei wirken Fäkaltransplantationen sehr gut, da sie die pathogenen Bakterien verdrängen.

Bewegung an der frischen Luft, ein gesunder Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung können die Darmgesundheit fördern. Wichtig ist, dass man auch nicht leichtfertig auf Medikamente zurückgreift. Zu raten ist öfter einmal in den Körper hineinzuhören und das Bauchgefühl aktiv wahrzunehmen.

Originalpublikation:
heute.at

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