Bestimmtes Gen erhöht das Risiko an Morbus Crohn zu erkranken, ein anderes könnte davor schützen

Morbus Crohn, eine entzündliche Darmerkrankung, die mit starken Bauchschmerzen, Blähungen und meistens wässrigen bzw. schleimigen Diarrhöen (Durchfällen) einhergeht, stellt für die Betroffenen eine starke Belastung im beruflichen und privaten Alltag dar. Bisher zielt die medikamentöse Behandlung auf eine symptomatische Linderung und Verlängerung der schubfreien Zeiten.

Was viele nicht wissen

Ein bestimmtes Gen beeinflusst das Risiko, an entzündlichem Morbus Crohn und degenerativer Hirnerkrankung, Morbus Parkinson, zu erkranken, weil beide Erkrankungen über eine gemeinsame genetische Wurzel verfügen. Im Gen LRRK2 wurde bei Untersuchungen in Science Translationel Medicine Varianten nachgewiesen, die die Häufigkeit von beiden Erkrankungen beeinflussen.

Die Nachfahren osteuropäischer Juden, die Aschkenasim, haben ein erhöhtes Morbus Crohn Risiko. Ihr Erbgut wurde an der „Icahn School of Medicine“ in New York analysiert, um die Ursache zu ermitteln. Dafür wurde das Exom, Gesamtheit von allen Protein codierenden Genen, sequenziert.
Entdeckt wurden zahlreiche Mutationen. 4.277 Mutationen wurden für einen Gentest zusammengefasst, um zu analysieren, ob die Pathogenese durch die Mutationen beeinflusst wird. 2.066 Aschkenasim, die an Morbus Crohn erkrankt waren, und 3.633 ohne diese Krankheit, wurden gentechnisch untersucht. Im Ergebnis fanden sich Varianten im Gen LRRK2.

Die seltener gefundene Variante N551K könnte vor einer Erkrankung schützen. Die öfter gefundene Variante N2081D hingegen das Risiko für Morbus Crohn erhöhen. Auch weiß man, dass diese Mutation zu einer ca. sechs Jahre früheren Erkrankung führt und besonders den schwerer zu behandelnden Dünndarm betrifft.
Bei Probanden ohne jüdische Vorfahren bestanden ähnliche Verbindungen mit schwächerer Auswirkung.
Die Informationen für ein Enzym sind im Gen LRRK2 enthalten. Dabei handelt es sich um eine Proteinkinase mit bisher unbekannten Proteinen. Von der Kinase werden die Proteine mit einer Phosphatgruppe versehen. Noch ist die Funktion von LRRK2 im Stoffwechsel der Zellen unbekannt.
Bekannt ist, dass LRRK2 an der Entstehung der familiären Form von Morbus Parkinson maßgeblich beteiligt ist.
Der Gentest wurde bei 24.570 Personen mit Morbus Parkinson, Morbus Crohn durchgeführt. Der Verdacht, dass die Varianten N551K und N2081D die Erkrankung Morbus Parkinson in die gleiche Richtung beeinflussen wie den Morbus Crohn, konnte bestätigt werden.
Bei Testteilnehmern ohne jüdische Vorfahren fiel das Ergebnis auch hier etwas schwächer aus.
Die Risikovariante G2019S erhöhte in früheren Studien das Morbus Parkinson Risiko am stärksten. N2018D befindet sich in der Nähe. Dadurch verstärken wohl beide die Kinasefunktion.

Warum ein und dasselbe Enzym Morbus Crohn aber auch Morbus Parkinson beeinflussen kann, ist noch unklar. Nachgewiesen ist aber, dass LRRK2 im Darm von Abwehrzellen gebildet wird. Deshalb liegt der Gedanke nahe, dass LRRK2 in den Lysosomen, die verdaute Proteine verbrauchen, eine Rolle übernimmt und Entzündungsvorgänge forciert.
Enthalten in den Hirnzellen, könnte deren Untergang beschleunigt werden. Die pathogenetischen Überlegungen sind diesbezüglich noch nicht abgeschlossen.

Weitere Erkenntnisse

Auch auf anderen Ebenen wurden bezüglich dieser Erkrankungen Verbindungen entdeckt. Die meisten Parkinsonpatienten leiden an gastrointestinalen Störungen.
Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein wurden in den Hirnzellen und im Darm nachgewiesen.
Wurde bei Morbus Crohn Patienten eine trunkuläre Vagotomie durchgeführt, trat Morbus Crohn seltener auf.

Quellen:
focus.de
aerzteblatt.de

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