Andreas Ulmichers Geschichte mit Morbus Crohn

Andreas Ulmicher Geschichte Morbus Crohn

Ein sehr weiser Mann soll einmal gesagt haben, dass man die Themen für sein Leben nicht findet, sondern dass die Lebensthemen einen finden.

Auch mir ist es so ergangen.

Die Themen Darm, Darmentzündung und besonders Morbus Crohn „fanden“ mich bereits sehr früh. Mit 12,13 Jahren musste ich mich bereits regelmäßig vom Unterricht beurlauben lassen. Der Grund: Bauchschmerzen und Krämpfe. Mit 15 ging es sowohl mit meinen schulischen Leistungen als auch mit meiner Gesundheit weiter bergab. Man muss dazu sagen, dass ich als 1970er Jahrgang eine recht ausgeprägte „Vorgeschichte“ im Bereich der Schleimhäute erfahren habe. Bereits als Säugling und Kleinkind litt ich unter immer wiederkehrenden Nebenhöhlenentzündungen. In den siebziger Jahren ging man mit Antibiotika deutlich unkritischer um als heutzutage, so dass ich bereits früh eine Belastung hatte. Dazu kamen – aus meiner heutigen Sicht – schlechte Ernährung sowie ein sehr sensibles vegetatives Nervensystem.

Mit 15-16 Jahren magere ich bedenklich ab, litt unter Durchfällen, plötzlichen Stuhlgängen und hatte die ersten Blutauflagen im Stuhl. Dazu war ich extrem erschöpft. Als im Sommer 1987 eine Arzt auch noch eine Analfistel feststellte, war meinen Eltern klar: am Krankenhaus führt kein Weg vorbei. Wie schlimm es anschließend noch wurde, denke ich, lässt dieser Original-Abschnitt aus meiner Krankengeschichte erahnen:

andreas-ulmicher-diagnose

Rückblickend betrachtet, war es tatsächlich eine 50 zu 50-Angelegenheit. Meine Eltern wussten nicht, ob ich diesem Schub überleben würde – mein Bauch behielt buchstäblich nichts bei sich. In der schlimmsten Zeit war ich nicht in der Lage, mich auch nur alleine aus dem Bett aufzurichten.

Die folgenden Jahre waren ein Auf und Ab. Es gab Zeiten, in denen ich mich einigermaßen gut fühlte. Aber es stellten sich immer wieder Symptome, Probleme und Schübe ein. Im Frühling 1997 war ich wegen eines Abszesses an meiner linken Flanke erneut zur Behandlung im Krankenhaus. Wegen einer Fistel, die blind in dem Abszess endete, wurde mir ein Stück Darm entfernt – etwa 20 cm vom Dickdarm. Die daraufhin saubere Wunder des Abszesses wurde mit einer sekundären Wundnaht behandelt. Allerdings bekam ich durch einen Behandlungsfehler erneut eine Fistel. Das war für mich der Wendepunkt.
Ich stritt mich daraufhin mit dem behandelnden Oberarzt und verließ die Klinik auf eigene Verantwortung. In den folgenden Jahren unterwarf ich mich einer sehr strengen Ernährung-und Entgiftungstherapie. Auch diese Zeit war nicht leicht, aber binnen 2-3 Jahren verringerten sich die Beschwerden, ich nahm an Gewicht zu und benötigte keine Medikamente mehr.

Seit etwa der Jahrtausendwende existiert „mein“ Morbus Crohn nur noch auf dem Papier.

Ich begann daraufhin, meine Erfahrungen schriftlich zusammenzufassen. Mein erstes Buch erschien in 2005. Kommerziell gesehen ein Flop, legte es jedoch den Grundstein dafür, mich weiter und intensiver mit diesem Thema auseinander zusetzen. Ich bin seit 1998 zugelassener und seit 2001 niedergelassener Heilpraktiker, das deutsche Äquivalent zu „Naturarzt“. Schon bald behandelte ich hauptsächlich Morbus Crohn-und Colitis ulcerosa-Patienten und stellte recht schnell fest, dass sich die Erkrankungen im Detail durchaus sehr heterogen präsentieren. Auch in der Medizin machen ja viele Patienten mit durchaus ähnlichen Symptomen die Erfahrung, dass Einigen die bekannten Präparate wie beispielsweise Immunsuppressiva durchaus helfen, anderen Patienten jedoch nicht.

In der Naturheilkunde ist dies nicht anders. Ich fand bald heraus, dass sehr viele verschiedene Probleme und Vorgeschichten letzten Endes zu ähnlichen Symptomen führen können. Es sind gerade bei Krankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa keine Pauschalsierungen möglich. Diesen Umstand ließ ich in meine neuen Ratgeber „Andreas Ulmichers Morbus Crohn – Colitis ulcerosa – Ratgeber“ und „Andreas Ulmichers Ernährungsratgeber bei Morbus Crohn – Colitis ulcerosa“, die 2012 erschienen, mit einfließen.

Ich sehe insgesamt die Medizin als wichtig und unentbehrlich an. Allerdings erachte ich das so genannte „Leitlinienkonzept“ der Medizin als nicht sinnvoll. Sinnvolle Therapie ist für mich immer individuelle Therapie, welche die Vorgeschichte des Patienten berücksichtigt. Das trifft auf die Medizin wie auf die Naturheilkunde gleichermaßen zu. Gleichzeitig bin ich dafür, die Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Eine Krankheit – gerade eine so schwere chronische Krankheit wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – sollte den Betroffenen dazu bringen, sein Leben insgesamt zu überdenken und sich vor allen Dingen zu fragen: „was kann ich für mich selbst tun?“ In meinen beiden Büchern habe ich Wert darauf gelegt, die Gedanken der Individualität in der Therapie und die Gedanken der Eigenverantwortlichkeit besonders zu betonen. Ich hoffe, dass mir dies gelungen ist.

Auf meiner Webseite www.crohn-colitis-online.de beschäftige ich mich mit vielen Fragen zu den Themen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa aus naturheilkundlicher und ganzheitlicher Sicht. Natürlich werden dabei keineswegs medizinische Grundlagen oder den Tisch gefallen lassen. So stehen zum Beispiel Downloadartikel zur Interpretation von Blutwerten etc. zur Verfügung.

„Ganzheitlichkeit“ heißt für mich, dass Medizin und Naturheilkunde Hand in Hand arbeiten sollten, um dem Betroffenen maximal mögliches Wohlbefinden zu ermöglichen. Zusammengefasst:

„Medizinische Hilfe bzw. Intervention, wenn sie nötig sein sollte, naturheilkundliche Betreuung, wenn sie möglich sein sollte und natürlich Hilfe zur Selbsthilfe – in Punkto Ernährung, Nahrungsergänzung und Naturheilkunde.“

Andreas Ulmicher

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.